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Bitte auch U-Boote!

KOMMENTAR

rkVon Reinhard Kriechbaum

31/10/13 Endlich ein Thema, das echt Bewegung in die Schlagzeilen bringt: „Amphibienbus sorgt für Wirbel“ titeln weniger begnadete Schreiber. So als ob es in der Salzach, trotz neuer Staustufe Lehen, nicht schon genug Gekräusel gebe. „...schlägt Wellen“: Das macht schon mehr her. Und jetzt, da nicht nur die Fischer ihren Lobbyismus fürs schlecke Geschlüpfer (Copyright: Richard Wagner, Rheingold) ausleben, sondern sogar der eine oder andere vernunftbegabte Politiker das Tempo der Genehmigungsverfahren um ein paar Knoten zurückgenommen hat, steht in dicken Lettern da und dort: „Amphibienbus säuft ab.“

Wassererlebnis pur also schon im Vorfeld. Googelt man „Amphibienbus“ , bekommt man als erste Vorschläge Rotterdam, Amsterdam, Hamburg und Berlin. Das ehrgeizige Dubai nicht zu vergessen. Es ist also hoch an der Zeit, dass Salzburg mitmischt auch im Gerangel um dieses offenkundige touristische Alleinstellungsmerkmal. Das vergleichsweise nahe Budapest kann man schon auf diese Weise „riverside“ erkunden – aber in Passau, wo gleich drei Flüsse amphibialen Auslauf böten, ist noch keiner auf die Idee gekommen. „Schwimmt Salzburg bald auf der Amphibienbus-Welle?“, titelt deshalb das dortige Leitmedium, die Passauer Neue Presse, mit schwer zu verbergendem Neid. Aparte Vorstellung, dass Erich Berers mit seiner unternehmerischen Wasserblase gleich die ganze Stadt verschaukeln könnte.

Das Altstadt Marketing sieht die Sache nicht ganz so visionär: Die Salzburger Altstadt sei kein Freizeitpark, mahnt man in einer Presseaussendung von Freitag (31.10.) völlig humor- und perspektivelos. „Die Frage, ob Fahrrad-Rikschas, Doppeldeckerbusse, Hop on Hop off-Busse, Salzachschiffe, Segway-Kolonnen und nun eben auch 'Amphibienbusse' eine Innovation darstellen oder nur dem Vergnügen des Massentourismus dienen, fordert zur Diskussion heraus. Ständig wird darüber geklagt, dass sich das Angebot in der Salzburger Altstadt vor allem an Touristen richtet und die Enturbanisierung und Banalisierung des Stadtzentrums voranschreitet. Dass dieser 'Amphibienbus' genau diesen negativen Beigeschmack hat, sollte zum Denken anregen.“

Also machen wir uns ans Denken. Wie man hört, will Erich Berer (der sich selbst noch nicht konkret äußert) den Amphibienbus – ein Ding für 25 Fahrgäste – zwischen Makartsteg und Mülln verkehren lassen. Das passt von den Dimensionen her eigentlich ganz gut zu Salzburg. Unser Hausphilosoph Leopold Kohr, der Verfechter der überschaubaren Einheiten, hätte vermutlich seine helle Freude am unternehmerischen Kleinst-Geist.

Wir warten unterdessen auf schlanke, bewegliche U-Boote, flotte Drei- oder Viersitzer, mit denen man durch den Almkanal-Stollen in Richtung Stiftsmühle St. Peter tauchen könnte. Mehr als unbefriedigend, dass dieses Denkmal der Wasser-Ingenieurskunst aus dem 12. Jahrhundert jedes Jahr nur kurz im September offen steht – und dann, völlig unattraktiv, nur für Fußgänger.

 

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