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Durchgesickert

GLOSSE

Von Reinhard Kriechbaum

27/10/23 Den Festspielen ins Stammbuch: „Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, im Licht hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.“

Das steht so seit knapp zweitausend Jahren in einem Buch voller Lebensweisheiten. Lukas-Evangelium Kapitel 12 Vers 3 – für jene, die sich die Passage im Zusammenhang reinziehen wollen. Mit Verkündern auf den Dächern ist allezeit zu rechnen, das ist heute nicht anders als zu biblischen Zeiten. Gerade in dieser Woche waren sie besonders aktiv: Zuerst ist durchgesickert, dass es vorbei ist mit Sturmingers Jedermann. Und nun haben die Spatzen dort droben auch schon den künftigen Titelrollen-Träger verpfiffen. Ausgerechnet gegenüber der APA, womit augenblicklich flächendeckende Verbreitung durch alle Gassen gesichert war. Philipp Hochmair also wird’s. Und der Regisseur ist auch schon durchgesickert, der Kanadier Robert Carsen.

All das hat die Festspiele erstaunlicherweise auf dem falschen Fuß erwischt. Es hat mehrere Tage gedauert, bis man sich überhaupt zu einem – mehr als lauen – Statement zum Inszenierungswechsel hat durchringen wollen. Nach aktuellem Stand der Dinge werden wir nun noch ein bisserl warten müssen, bis die Festspiele die „gegebene Zeit“ für angebrochen erachten, da man ans offizielle Verkündigen geht. Es wird in diesem Fall wohl ein dem schon Durchgesickerten Hinterher-Posaunen sein.

Immerhin: Wird Gottvater wieder eine Frau? Wer liest als Jedermanns Mutter (höchste Zeit für einen Mann) dem reichen Prasser die Leviten? Wäre es nicht angesagt, die Guten Werke vom Krankenschwestern-Image zu befreien und dafür einen ausgewiesenen Macho auszusuchen? Es bleibt Raum für fruchtbare Spekulationen. Gesichertes wird man früh genug erfahren, gewiss noch ein, zwei Wochen vor der offiziellen Programm-Pressekonferenz im Dezember. Das will die Festspiel-Folklore so.

Eine große Bitte haben wir aber jetzt an die Dach-Spatzen. Nicht die Buhlschaft auch noch ausplaudern! Gerade über die spekulieren wir ja immer mit Herzblut. Wäre jammerschade, wenn dieser Thrill, der Österreich stets so sehr in Atem hält, auch perdu wäre.

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