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Die Vermessung von Gödels Logik-Welt

REST DER WELT / GRAZ / KEHLMANN-URAUFFÜHRUNG

31/07/11 Eigentlich hätte es ja ein Stück für die Salzburger Festspiele werden sollen, als Schreibauftrag angedacht in dem Jahr, als Daniel Kehlmann „Dichter zu Gast“ und Festspielredner war und mit seinen Bemerkungen gegen das Regietheater das deutsche Feuilleton gegen sich aufgebracht hat.

altDaraus ist nichts geworden, aber das Stück „Geister in Princeton“, Daniel Kehlmanns erste Arbeit für die Bühne, wird morgen, Montag (1. August) zumindest als szenische Lesung bei den Festspielen gegeben: um 19.30 Uhr im Landestheater. Die eigentliche Uraufführung ist zur Saisoneröffnung am 24. September im Grazer Schauspielhaus.

Princeton Anfang der 50er Jahre: Ein ungleiches Freundespaar verlässt allabendlich das „Institute for Advanced Studies“ und spaziert durch die beschauliche Universitätsstadt. Der eine ist der Physiker Albert Einstein: lebenslustig, wohlgenährt, meist ohne Socken unterwegs. Sein Begleiter ist Kurt Gödel: der größte Logiker seit Aristoteles, weltfremd, ausgezehrt und selbst im Sommer warm angezogen …

Kurt Gödel, 1906 in Brünn geboren, nahm als junger Physikstudent an den wöchentlichen Sitzungen des Wiener Kreises teil, der sich mit den methodischen Grundlagen des Denkens auseinandersetzte. Mit knapp 24 Jahren revolutionierte Gödel die mathematische Logik mit seinem Unvollständigkeitssatz und bewies später, dass die Möglichkeit von Zeitreisen theoretisch nicht auszuschließen ist.

Der Candide-Preis, der Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Doderer-Preis, der Kleist-Preis (2006), der WELT-Literaturpreis (2007) sowie zuletzt mit dem Thomas-Mann-Preis: der 1975 geborene Daniel Kehlmann ist hoch dekoriert. „Die Vermessung der Welt“, in bisher vierzig Sprachen übersetzt, wurde zu einem der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit. Daniel Kehlmann lebt als freier Schriftsteller in Wien und Berlin.

„In einer Welt, in der niemand mehr Marx liest und kontroverse Diskussionen sich eigentlich nur noch um Sport drehen, ist das Regietheater zur letzten verbliebenen Schrumpfform linker Ideologie degeneriert.“ – Für Sätze wie diesen ist Kehlmann nach seiner Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele vom deutschen Feuilleton heftig geprügelt worden.  „Wo Regisseure die Stars sind, dort halten sich die Autoren zurück. Wo sich die Autoren zurückhalten, beanspruchen die Regisseure wiederum den Status eines Stars, dem kein Urheber, lebend oder tot, dreinzureden habe.“ Man darf neugierig sein, wie das Verhältnis zwischen Autor und Regisseur aussieht, wenn in Graz die dortige Schauspielchefin Anna Badora, eine gebürtige Polin, sein erstes Stück aus der Taufe hebt. (Schauspielhaus Graz/dpk-krie)

Szenische Lesungvon Daniel Kehlmanns „Geister in Princetown“ morgen, Montag (1.8.) um 19.30 Uhr im Landestheater.
Uraufführung am 24. September im Grazer Schauspielhaus.
Bild: dpk-krie

 

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