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Countertenor und Bass in Personalunion

CHRISTUSKIRCHE / BACHWERK VOKAL

25/05/15 Da geht also einer – als Newcomer am Ort – daran, junge Musikerinnen und Musiker zu sammeln und mit ihnen allen, wirklich den gesamten, vokalen Bach aufzuführen. Fünf Jahre lang monatlich ein Konzert soll es werden, bis man durch ist.

Von Reinhard Kriechbaum

Ein tollkühnes Unterfangen? Das Publikum ist, so scheint es, fürs Erste absolut überzeugt und willens, mitzugehen: Kein freier Platz am frühen Abend des Pfingstsonntags in der Christuskirche in Salzburg. Gordon Safari, der neue Regionalkantor der evangelischen Diözese, scheint wirklich Sinn zu haben dafür, wo Ressourcen stecken, wo sich Qualität findet. Acht Sänger zu ergattern, mit denen man Bachs Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ deklamatorisch genau und doch klangfüllig umsetzen kann – das ist so leicht nicht. Die Wiedergabe machte gehörig Effekt, weil jeweils ein Doppelquartett auf den beiden seitlichen Emporen positioniert war und so die doppelchörigen Effekte plastisch herauskamen. Die kräftige instrumentale Stütze mit Streichern und sogar mit Oboen ist für a-cappella-Literatur für unsere Ohren ungewohnt, aber historisch beglaubigt.

Die vokale Kleingruppe für BachWerkVokal, diesmal zwölf Sängerinnen und Sänger, wirkt gut konsolidiert und hat sich auch eloquent in den Eröffnungschor der Kantate „Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten“ gestürzt. Die angesprochenen Saiten sind noch nicht ganz auf der Höhe der Unternehmung: Das Telefonbuchorchester mit dem hübschen Namen „B@roqueB@and Salzburg“ braucht (wie Gordon Safari als Orchesterdirigent) noch ein paar Nachhilfestunden. Jedenfalls ist dieses wackere Häuflein noch bei weitem nicht so weit, dass man mit ihm Bachs Vierte Orchestersuite präsentabel hinkriegte.

Aber der Zyklus heißt ja „BachWerkVokal“, und diesbezüglich löst Gordon Safari mit seiner Truppe höchste Erwartungen ein. Da hat die Sopranistin Leigh Michelow zwei Lieder aus dem Schemelli-Gesangbuch ganz unprätentiös und fein verzierend gestaltet und Max Kiener (Tenor) eine Kantaten-Arie weich und schmiegsam durchgeformt. Roland Faust ist ein gewandter, im Timbre interessant gefärbter Altus (für die Solokantate „Widerstehe doch der Sünde“), aber kann „switchen“ und singt dann auch Bass. In der von markanter Dreiklangsmelodik geprägten Arie „Heiligste Dreieinigkeit, großer Gott“ hat er das Kräftemessen mit den Trompeten nach Punkten gewonnen.

Die nächsten Termine der reihe „BachWerkVokal“ sind am 21. Juni und 12. Juli, jeweils um 18 Uhr in der Christuskirche – Originell der Versuch, für diesen Fünf-Jahres-Zyklus auch per Crowdfounding zu Geld zu kommen: www.creartor.org
Bild: www.gordonsafari.com

 

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