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Go West!

CAMERATA / MARTIN GRUBINGER

21/05/12 Schlagwerk-Tausendsassa Martin Grubinger zeigt im zweiten Sonderkonzert mit der von Ariel Zukermann geleiteten Camerata Salzburg, was ihm persönlich an der Musik aus den USA wichtig ist: sowohl als Solist wie ins Orchester eingebunden – und zuletzt euphorisch bejubelt.

Von Horst Reischenböck

altEs ging also einmal allein um Klänge „Aus der Neuen Welt“ (aber ohne Antonin Dvo?ák zu strapazieren). Da wurde zur Einstimmung einmal der Große Saal des Mozarteums abgedunkelt, ehe nur vier Flöten und Dirigent Ariel Zukermann aufs Podium traten. Ging es doch um Charles Ives berühmte „The Unanswered Question“. Die wiederholte Frage stellte der Trompeter Josef Burchartz von der Galerie herab, die esoterischen Streicherklänge schwebten aus dem Niemand irgendwie durch den Raum. Leider wurden sie durch zu spät Kommende gestört: Man sollte wirklich erst nach Beendigung eines Musikstücks Einlass zu gewähren.

Hauptattraktion vor der Pause war die Erstaufführung von John Coriglianos Konzert für Schlagzeug und Orchester mit dem Titel „Conjurer“. Der Abschnitt „Wood“ hebt an mit einer äußerst virtuosen Solo-Kadenz (auf Xylophon und Marimbaphon). In sie mischen sich erst spät nervig Streicher. Dann wecken Tam-Tam und Glocken Assoziationen an „Big Ben“: „Metal“ bietet auch ausgedehnt Gelegenheit zu fast spätromanisch gefühlvoller Melodik. In Bezug auf das Entstehungsdatum 2007 muss man fast sagen: Amerika, du traust dich was und hast es besser… Zuletzt führt das Stück zu „Skin“, also an die Haut von Trommeln und Pauken. Der Satz geht virtuos fetzig von Konga-Klängen aus, die mit Händen und Schlegeln traktiert werden. Das ist dann aber vielleicht doch eine Spur zu redselig. Erneut beeindruckend, was Martin Grubinger alles an subtil ausgehorchten und im Kontrast dazu hart artikulierten Klängen vor Ohren führte.

Dann der „Star“ in den hinteren Reihen des Orchesters: Aaron Copland hat seine Orchestersuite aus dem ursprünglich für 13 Instrumente komponierten Ballett „Appalachian Spring“ selbst als „einfach“ bezeichnet. Nicht zuletzt wohl wegen der darin an vorletzter Stelle eingewobenen Shaker-Hymne „The Gift to Be Simple“: mehrheitlich von natürlich fließenden Klängen bestimmt und entsprechend schön durch die Camerata umgesetzt.

Als Höhepunkt des Ganzen, vom Auditorium auch entsprechend begrüßt und bedankt, dann Ausschnitte aus der „West Side Story“. Leonard Bernsteins Instrumentation wurde für die Camerata modifiziert, das „Somewhere“ war schon verdächtig an der Kitsch-Grenze. Neben Grubinger am Vibraphon bekamen auch Martin Grubinger senior, Ismael Barrios und Sebastian Lanser Gelegenheit, sich zuletzt in „America“ zum hin- und mitreißenden Percussion-Quartett zu vereinigen.

Das Konzert wird heute Montag (21.5.) um 19.30 Uhr im großen Saal des M;ozarteums wiederholt. - www.camerata.at
Bild: www.camerata.at

 

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