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Mit Feuer ins vermaledeite Schlamassel

FESTIVAL BEGEGNUNG

07/05/12 Das Programmbuch zum Festival „Begegnung“ der Camerata überliefert eine bedrückende Erinnerung von Alice Végh an das letzte Konzert ihres Mannes (im Wiener Konzerthaus). Auf dem Programm damals: Beethovens „Eroica“.

Von Reinhard Kriechbaum

Sándor Végh sei danach im Künstlerzimmer auf seinen Sessel gesunken und habe gesagt: „Nun habe ich meinen eigenen Todesmarsch dirigiert.“ – Die „Begegnung“ heuer war programmiert als eine Erinnerung an Végh, der vor hundert Jahren geboren wurde. Was die Camerata verloren hat mit ihm, machte das Konzert am Freitag (5.5.) im Großen Saal des Mozarteums klar. Nie und nimmer hätte Sándor Végh ein Musizieren durchgehen lassen, bei dem ein Pianist aufgeregt in den Tasten wühlt und das Orchester einfach sich selbst überlässt. Freilich höchst virtuos tasten-schürfend und gewiss „lauter“, wie man so schön sagt: Alexander Lonquich.

Stimmt schon: Franz Liszt Rarissimum mit dem eigenartigen Titel „Malédiction“ ist eine im Wortsinn vermaledeite Sache. Man weiß nicht genau, wann und wofür der junge Liszt diese bizarr ausdrucksschwangere Musik komponiert und ob er das Werk überhaupt einmal aufgeführt hat. Starker Erzählwille, nachgestalterische Musik-Dramaturgie wären wohl notwendig, wollte man eine einigermaßen zu dechiffrierende Botschaft dieses expressiven Wirrwarrs übermitteln. Das ist an dem Abend nicht ansatzweise gelungen. Ein Pianist mit gefühlten dreißig Fingern an den Tasten, mit Kopf und Ohren allein bei sich – und ein Streichercorps, das laut und oft roh den Stimmführern hinterher spielte.

Es gibt eben Musik, die nicht geht ohne Dirigent. Die „Hommage à Paul Klee“ für zwei Klaviere und Streicher von Sándor Veress (1907-1992) gehört auch dazu. Veress nimmt in der ungarischen Musikgeschichte etwa die Position eines Paul Hindemith ein: anerkannt, hochgerühmt, aber nicht wirklich geliebt. Die „Hommage à Paul Klee“ ist eine Folge von sieben orchestralen Charakterstücken höchst plastischen und individuellen Zuschnitts. Da „jazzelt“ es gelegentlich, die beiden Pianisten  liefern sich rhythmisch kecke Dialoge (im Duo und abwechselnd mit Lonquich musizierte Cristina Barbuti), das Orchester hat oft markige Ostinati. Ob einem wirklich die aufgeräumten Bildwelten eines Paul Klee in den Sinn kämen, angesichts der musikalischen Käferkrabbelei? Man müsste sich das Werk wohl noch mal vornehmen, unter den Fittichen eines Dirigenten eben. Und ganz ehrlich: Danach war dem Schreiber dieser Zeilen die Lust auf Beethovens „Eroica“, die nach der Pause drangekommen wäre, gründlich vergangen.

Bild: www.cadenza-concert.at / Guerzoni

 

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