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Intimkenner des unterirdischen Salzburg

TODESFALL / FRITZ MOOSLEITNER

09/05/22 Zum 70. Geburtstag hat man ihm eine Festschrift mit dem Titel Scherben bringen Glück gewidmet. Kein schlechter Buchtitel für einen Menschen, der als Landesarchäologe in Salzburg und Museums-Kustos über Jahrzehnte darüber wachte, was in unserem Bundesland aus dem Boden geholt wurde.

Von Reinhard Kriechbaum

Fritz Moosleitner ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Dreißig Jahre lang, von 1970 bis 2000, war er Kustos der Archäologischen Abteilung des Salzburger Museums Carolino-Augusteum (wie das Salzburg Museum damals hieß). Von 1985 bis zum 2001 führte er zudem den Titel „Landesarchäologe“.

Die Archäologie war eigentlich zweiter Bildungsweg für ihn, denn von 1955 bis 1970 war der als Techniker ausgebildete Fritz Moosleitner als Statiker beschäftigt. 1963 begann er das Studium der Ur- und Frühgeschichte in Salzburg. Seine Dissertation galt den Grabfunden vom Dürrnberg. Von 1994 bis 1996 war er interimistischer Leiter des Museum Carolino-Augusteum.

Mit dem Dienstantritt Fritz Moosleitners als Landesarchäologe wurden einige Weichen neu gestellt: Parallel zum neu gegründeten Österreichischen Forschungszentrum Dürrnberg (ÖFD) wurde der Landesarchäologe als vom Land Salzburg finanzierte Dienststelle mit eigenem Budget am Salzburg Museum eingerichtet. Beide Einrichtungen kooperieren seitdem aufs Engste.

Die Ära Moosleitner war primär geprägt von Grabungen im Vorfeld von Bauaktivitäten in Stadt und Land Salzburg. In den sechzehn Jahren von Moosleitners Tätigkeit als Landesarchäologe waren dies allein 95 Grabungsunternehmungen quer durch alle Epochen von der Steinzeit bis zur Neuzeit, darunter 38 Kirchengrabungen.

Auch als Forschungsprojekte geplante Ausgrabungen wie etwa die Wiederaufnahme der Ausgrabungen an der Palastvilla von Loig, Wals-Siezenheim 1979 bis 1998 oder die Freilegung des hallstattzeitlichen Gräberfeldes von Uttendorf im Pinzgau 1975 bis 1990 mit 448 Bestattungen erfolgten aus denkmalpflegerischer Notwendigkeit.

Wenn über irgendeinen Ort im Bundesland Salzburg ein Buch veröffentlicht wurde, war stets mit einem profunden Beitrag von Fritz Moosleitner zu rechnen. Ob der vielen Notgrabungen kannte er sich eben nicht nur in der ur- und Frühgeschichte gut aus. Auch zum Kirchenbau im Mittelalter hat er viele Aufsätze geschrieben. Unter Moosleitners Ägide wurde eine eigene Buchreihe, Archäologie in Salzburg, ins Leben gerufen, deren Bände durch attraktive Aufmachung und soliden wissenschaftlichen Inhalt Fachpublikum und interessierte Laien ansprechen sollten. Sein wahrscheinlich nachgefragtestes Buch war wohl jenes über die Schnabelkanne vom Dürrnberg.

Die Pension bedeutete für ihn nicht Ruhestand. So war Moosleitner 2007 an der Planung und Organisation des archäologischen Anteils an dem EU-Projekt „Ambisonta – die Herrn der Berge“ beteiligt. In diesem Projekt werden Phänomene historischer Ethnogenesen im Vergleich zwischen dem Oberpinzgau und Nordwestwales untersucht. Der Schwerpunkt liegt auf der Bronze- und frühen Eisenzeit, in welcher der Oberpinzgau, bedingt durch die ostalpinen Kupferlagerstätten, überregionale Kontakte besaß.

Was weniger bekannt ist: Fritz Moosleitner war auch Spezialist für heimische Orchideenarten. Fauna und Flora haben ihn als Taucher auch unter Wasser interessiert. Und als Hobbymusiker hat er eine besondere Nähe zum Jazz gehabt.

Bild: Salzburg Museum (1); Waltraud Krainer (1)

 

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