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Gefährliches Wissen – was ist fatal und für wen?

HINTERGRUND / SALZBURGER HOCHSCHULWOCHEN

26/07/13 Als „Forum offener Katholizität“ definieren sich die Salzburger Hochschulwochen. Es gibt sie schon seit 82 Jahren. Heuer laden sie zu einem Diskurs zu Definition, Entstehung und Begrenzung von Wissen unter dem Schlagwort „Gefährliches Wissen“.

Das interdisziplinär konzipierte Programm bietet ab 29. Juli in der Großen Aula der Universität Vorträge, Diskussionen und Workshops aus verschiedenen Fachgebieten. Referate halten angesehene Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wie dem Philosophen Otfried Höffe (29./30. Juli), der Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth (2./3. August) oder dem Ingenieur und Geschäftsführer des CUTEC Instituts Martin Faulstich (31. Juli/1. August). Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, beschließt am 4. August um 10.30 Uhr in der Großen Aula mit seinem Festvortrag Geist und Geld. Das "unerbittliche Gedächtnis" und die Tugend des Vergessens die Hochchulwoche.

Unter den Bedingungen der global vernetzten Informationsgesellschaften wird Wissen in unterschiedlichsten Formen zu einem brisanten Faktor: Versicherungen verfügen über die Krankheitsgeschichten ihrer Kunden und schaffen den gläsernen Patienten. Soziale Netzwerke speichern persönliche Daten ihrer User und katapultieren seine Interessen und Obsessionen. Der Staat verfolgt unsere elektronischen Fußabdrücke im Internet und verschiebt die Grenzen der Privatsphäre. Paradoxe Rückkopplungen im Zeichen neuer Wissenszüge zeichnen sich ab: Was der Finanzierbarkeit der Sozialsysteme dienen soll, produziert Ausschließung aus gesellschaftlicher Solidarität. Was innere und äußere Sicherheit stärken soll, schafft über Datenlecks Unsicherheiten. Riskantes Wissen verspricht an den Börsen Gewinn und kann in umso größere Verluste umschlagen.

Aber auch kulturell vergessenes oder verdrängtes Wissen birgt eigene Gefahren - zum Beispiel das vernachlässigte Wissen religiöser Traditionen um die Herkunft der eigenen Denkansätze. „Religionen verfügen über ein eigenes Wissen von Gott. Es bildet sich in den lehrförmigen Inhalten und gelebten Grundsätzen der Religionen ab und setzt sich in den Überzeugungswelten ihrer Gläubigen durch. Das schließt Interpretationsstreit ein und kann zu Religionskonflikten führen“, erklärt der Leiter der Hochschulwochen, der Theologe Gregor Maria Hoff. „Wie von Gott zu sprechen und wie in seinem Namen zu handeln sei, bringt das gefährliche Wissen von Gott zu Tage.“

Eine Neuerung: Die Salzburger Hochschulwochen organisieren in Kooperation mit dem Fachbereich Systematische Theologie erstmals die „Salzburger Religionstriennale“. Begabten Doktoratsstudierenden und Postdocs aus ganz Europa wird im Rahmen eines dreijährigen Exzellenzprogramms die gemeinsame Arbeit an Fragen zu Religion, Kultur, Politik und Identität ermöglicht. In diesem Jahr steht das „Gefährliche Wissen der Religione“n zur Debatte.

Zu den Fixpunkten bei den Hochschulwochen zählt die Verleihung des Theologischen Preises. Diesmal geht er den langjährigen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann. Er nimmt die Auszeichnung am 31. Juli um 19.30 Uhr in der Großen Aula entgegen.

Die Salzburger Hochschulwochen dauern von 29. Juli bis 4. August - www.salzburger-hochschulwochen.at

 

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