asdf
 

Neues vom Artushof

MUSISCHES GYMNASIUM / MITTENDURCH

25/10/11 Parzival geht heute in die Disco, holt Zigaretten, wenn er Frauen verlassen will und trinkt den Roten Ritter unter den Tisch, anstatt ihn zu töten. Aber sonst bleibt vieles beim Alten: Auch in der Jetztzeit ist Parzival ein Suchender, der seinen Platz in der Gesellschaft erst finden und auf diesem Weg so manchen Misserfolg in Kauf nehmen muss.

Von Nina Ainz

„mittendurch“ hieß das Theaterstück der - mittlerweile - 6. Klassen des Musischen Gymnasiums , das wegen des großen Erfolges der ersten Aufführungsreihe im Sommer nun wieder aufgenommen wurde. „Mittendurch“: So lautet auch die neuhochdeutsche Übersetzung des Namens „Parzival“. Die Schülerinnen und Schüler haben sich mit Wolfram von Eschenbachs Werk auseinandergesetzt und es gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen des Projekts ALIENA (Alte Literatur im Erlebnisraum Neu Ästhetisiert) modern inszeniert. „mittendurch“ ist ein Kooperationsprojekt mit dem  Fachbereich Germanistik.

Die Übersetzung von klassischen Stoffen ist ein beliebtes Motiv im Jugendtheater. Alte Texte werden von jungen Menschen neu interpretiert und in unsere heutige (Bild-)Sprache übersetzt. Auch ALIENA setzt hier an. Jugendlichen „einen zeitgemäßen und produktiven Zugang zu älterer deutscher Literatur zu verschaffen“ sei das ist das Ziel des Projekts, das vom Literaturwissenschaftler Manfred Kern geleitet wird.

Und so kommt es, dass der Artushof in der pfiffigen Aufführung der Schülerinnen und Schüler zur Schickimicki-Gesellschaft gerät, in der nach Herzenslust getratscht und geheuchelt wird. Gahmuret (Parzivals Vater) gibt vor, Zigaretten zu holen, wenn er doch in Wahrheit seine schwangeren Frauen verlässt. Und die Geschichte vom Ritter Gawan, im Originaltext ein wichtiger Nebenstrang, wurde überhaupt eliminiert und doch äußerst originell in das Stück eingebaut.

Regie bei „mittendurch“ führte Bernadette Heidegger, die auch das "Bühnenspiel" am Musischen Gymnasium leitet. Besonders stimmig waren die musikalische Umrahmung (Christopher Biribauer und Benjamin Baierlein) und die Kostüme (Marlene Besl). Auch das Bühnenbild (Kurt Rottmann und Schülerinnen und Schüler der ehemaligen 5e) war geschickt durchdacht: Auf roll- und drehbaren Bühnenelementen ließ sich der moderne Parzival effektiv inszenieren.

„mittendurch“ ist anspruchsvolles, höchst unterhaltsames Jugendtheater, das vor allem in seiner Professionalität sehr beeindruckt. Es zeigt sich, dass Wolfram von Eschenbachs Werk nach wie vor nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat und dass es Jungendlichen hervorragend gelingen kann, aus alten Stoffen die Themen herauszufiltern, die für ihr Leben in der Gegenwart von Bedeutung sind.

Bilder: www.w-k.sbg.ac.at

 

DrehPunktKultur - Die Salzburger Kulturzeitung im Internet ©2014