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Mit Schlagstöcken gegen jüdische Demonstranten

MARKO-FEINGOLD-STEG / AUSSTELLUNG

03/06/24 Auch das gehört unterdessen zum Salzburger Kultur-Jahreslauf: ein Hinweis auf jüdisches Leben und jüdische Schicksale in Bild- und Schrifttafeln entlang des Marko-Feingold-Stegs (für hartnäckige Salzburger: Makartsteg). Diesmal ist das Thema Wo? Verortung der Erinnerung.

Marko Feingold hätte am 28. Mai seinen 111. Geburtstag gefeiert. Die Kulturabteilung der Stadt Salzburg präsentiert in Zusammenarbeit mit den Kuratoren Albert Lichtblau sowie Hannes Sulzenbacher und dem Salzburg Museum aus diesem Anlass wieder eine Ausstellung auf dem seit drei Jahren nach ihm benannten Steg. Die kurzen Texte sollen im Vorbeigehen gelesen werden. Wer sich genauer informieren möchte, kann mit einem QR-Code auf die vom Salzburger Stadtarchiv gestaltete Seite zur Persönlichkeit Marko Feingolds verbunden werden.

Die diesjährige Ausstellung präsentiert Bezugspunkte im heutigen Stadtbild zum jüdischen Leben – seien es Institutionen, besondere Orte, Ereignisse oder Personen“, erklärt Kulturabteilungsvorständin Dagmar Aigner. „Die Verortung der jüdischen Kultur im Zentrum der Stadt und die Methode, die niederschwellige Präsentation im öffentlichen Raum, sind das Besondere an dem Projekt.“

Die zweisprachigen Schautafeln weisen also auf Orte hin, an denen jüdische Geschichte und Gegenwart verknüpft werden. Verortung der Erinnerung eben. Einige Orte, wie die Judengasse oder das 2017 eröffnete Museum Kunst der Verlorenen Generation in der Sigmund-Haffner-Gasse 12, befinden sich in der Nähe. Jede dieser Tafeln wird durch ein Bild visualisiert: Zum Beispiel zeigt die Tafel zum Museum Kunst der Verlorenen Generation ein Porträt von Elias Canetti, gemalt von Marie-Louise von Motesiczky. Eine Tafel weist auf das Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte an der Universität Salzburg hin, das vor zwanzig Jahren gegründet wurde. Hier können Studierende Hebräisch und Jiddisch lernen.

Auf einer anderen Tafel wird an Theodor Herzl, den Begründer des Zionismus, erinnert. Er absolvierte 1884 sein Gerichtsjahr in Salzburg. Es gibt eine Gedenktafel am Haus Mozartplatz 5. Herzl schrieb: „In Salzburg brachte ich einige der glücklichsten Stunden meines Lebens zu.“ Durch die Intervention der Künstler Wolfram Kastner und Martin Krenn im Jahr 2001 wurde das Zitat ergänzt: „Ich wäre auch gerne in der schönen Stadt geblieben. Aber als Jude wäre ich nie zur Stellung eines Richters befördert worden.“

Obwohl nur eine Tafel den Salzburger Festspielen gewidmet ist, wird deutlich, dass manche Persönlichkeiten eine größere Rolle in der Wahrnehmung spielen als andere. Während Herbert-von-Karajan eine Statue nahe dem Marko-Feingold-Steg gewidmet ist, erinnert eine bloß hundert Meter lange Straße am Stadtrand an den Dirigenten Bruno Walter. Immerhin wurde für ihn 2020 ein Stolperstein auf dem Max-Reinhardt-Platz verlegt.

Eine weitere Tafel dokumentiert eine Demonstration der Israelitischen Kultusgemeinde, des KZ-Verbandes und des Bundes sozialistischer Freiheitskämpfer 1951 gegen die Aufführung des Films Die unsterbliche Geliebte im Elmo-Kino. Regisseur Veit Harlan, bekannt für den antisemitischen Propagandafilm Jud Süß, hatte diesen Film produziert. Die Demonstranten im Elmo wurden von einer Polizeieinheit auf ihr „jüdisches Aussehen“ hin „geprüft“ und unter Einsatz hölzerner Schlagstöcke „entfernt“. Manche im Kinopublikum spendeten dafür Beifall... (InfoZ/dpk)

Wo? Verortung der Erinnerung“, bis 31. August entlang des Marko-Feingold-Stegs – Die Salzburg Guides bieten zwei Spezialführungen vor Ort an, am 6. und 13. Juni jeweils um 17 Uhr (Anmeldung Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) – www.stadt-salzburg.at/marko-feingold
Bilder: dpk-krie

 

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