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Virtuosentum vom Feinsten

PFINGSTFESTSPIELE / CAMERATA SALZBURG / VENGEROV

22/05/18 Die Matinee am Pfingstmontag (21.5.) im Großen Saal des Mozarteums verlieh der Bezeichnung „Solistenkonzert“ eine ganz andere Bedeutung. Erst stand die Camerata dem Geiger Maxim Vengerov zur Seite, dann werkten die Streicher allein in Sachen Tscvhaikowsky.

Von Horst Reischenböck

Zuerst Max Bruchs populäres Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll op. 26. Mit dem dankbaren „Ohrwurm“ rennen Interpreten nach wie vor offene Türen ein. Maxim Vengerov, Gaststar von Weltklasseformat, wäre es durchaus zuzutrauen gewesen, sich auch um eins der weit seltener zu hörenden Nachfolgewerke zu bemühen. Das Entstehungsdatum der Ersten Violinkonzerts liegt freilich nahe Rossinis Todestag, um den die Programme heuer kreisten. Vengerov stellte die vordergründigen Reize des Werks durchaus hintan, indem er schon seinen Einstieg ins Vorspiel über den Paukenwirbeln eher introvertiert anlegte. Danach stellte er sich umso kraftvoller dem fordernden Orchestertutti seitens der Camerata. Auch dem Adagio ließ er nichts an lyrischem Gesang mangeln, um dann mit vollem Aplomb in die packende Energie des Finales einzusteigen.

Das Programmheft kündigte Vengerov auch als musikalischen Leiter an. Abgesehen von ein paar Armbewegungen war davon wenig zu merken. Ein Dirigent hätte wahrscheinlich den strahlend hervorstechenden Glanz der Trompeten etwas gedämpft.

Auch Camille Saint-Saëns verdankt die Musikwelt drei Violinkonzerte, zwei davon schuf er für Pablo de Sarasate. Daneben fristen eine Reihe kürzerer Kompositionen, wiewohl sehr wirksam, in den Konzertsälen jetzt eher ein Schattendasein. Introduction et Rondo capriccioso in a-Moll (entstanden ebenfalls für Pablo de Sarasate) wird heutzutage meist nur mit Klavierbegleitung gespielt, dabei bringt der der Orchestersatz Saint-Saëns' Klangfarben voll zur Geltung (dankbar beispielsweise für das warme Timbre der Klarinetten). Nach dem nachdenklichen Anfang ließ es Maxim Vengerov, ohne die g-Saite überzustrapazieren, betreffs der Arpeggien und Doppelgriffe nicht an entsprechend zügiger Virtuosität mangeln.

Danach widmete er sich noch der früher gern geübten Paarung mit Saint-Saëns' E-Dur-Habanera („Havanaise“) op. 83. Die innewohnend schwüle Stimmung zu ihren charakteristischen Rhythmen bot er zart, aber um nichts weniger wirkungsvoll dar. Noch beruhigender entließ Maxim Vengerov mit der Sarabande aus Johann Sebastian Bachs 2. Solo-Partita in d-Moll BWV 1004 in die Pause.

Die Matinee mündete in die C-Dur-Serenade op. 48 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky seitens der Camerata. Tschaikowsky, Bruch, Saint-Saëns und auch Edvard Grieg eint, dass sie 1893 von der Universität Cambridge zu Ehrendoktoren ernannt wurden.

Durch Konzertmeister Gregory Ahss umsichtig und bestimmt angeführt, bewiesen die 24 Camerata-Streicher, dass sie auch opulent besetzt philharmonischer Konkurrenz aus Wien, wie erst jüngst zur Mozartwoche im Jänner, absolut Parole bieten können. Mit voll-saftigem Volumen in den Ecksätzen und, dazu als Kontrast, zauberhafter Intimität in Walzer und Élégie dazwischen. Ein Genuss.

Bilder: SF / Marco Borrelli

 

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