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Kein Probegalopp, sondern Kür

UNIVERSITÄT MOZARTEUM / SINFONIEORCHESTER

16/03/10 Diese Woche wird das Sinfonieorchester der Universität Mozarteum am „International Festival of The Academic Symphony Orchestra“ in Kattowitz teilnehmen: Mit einem Programm, das Dennis Russel Davies einstudierte und am Samstag (13.3.) im Großen Studio vorstellte.

Von Horst Reischenböck

„Hut ab, ihr Herren, ein Genie!“, sagte Robert Schumann zu Frédéric Chopins Variationen über „Là ci darem la mano“ aus Mozarts „Don Giovanni“. Nach einem c-Moll-Rondo folgt ein halbes Dutzend Werke für Klavier und Orchester. Die Einleitung allein straft alle Lügen, die noch immer behaupten wollten, der Pole hätte sich nicht auf die Kunst der Orchestrierung verstanden. Die Pavel-Gililov-Studentin Chisato Fumai präsentierte sich, wie auch in den „fünf Veränderungen“ absolut stilsicher. Sie ließ die Zweiunddreißigstel der „Etüde“ perfekt aus dem Bösendorfer perlen, steigerte sich nach dem Solo „con bravura“ in die gefordert beidhändigen Staccato-Sprünge und formte genauso perfekt das bezwingende alla-polacca-Finale.

Eine weitere Reverenz  den Festival-Ort Kattowitz: die Passacaglia Immaginaria von Stanislaw Skrowaczewski. Der, wie sein jüngerer Landsmann Wojciech Kilar in Lemberg, damals zu Polen gehörig, Geborene wirkte dort später als Dirigent. Skrowaczewski war in letzten Jahren bei uns vor allem in Zusammenhang mit der Deutschen Radio Philharmonie in Saarbrücken bekannt, in den USA zuvor lange Chef in Minneapolis. Als „dirigierender Komponist“ in einer Reihe wie etwa Furtwängler, Klemperer oder Walter entstand für dessen Minnesota Orchestra diese differenziert instrumentierte Partitur.

Ausgehend von zarten Glockentönen des umfangreich besetzten Schlagwerks werden wellenartig Höhepunkte angesteuert, gelegentlich geradezu brutal durch das Blech, während solistische Einschübe, vom Kontrabass bis zum Konzertmeister, stimmungsmäßig kurze Ruhepole erlauben. Dennis Russel Davies, engagierter Sachwalter nicht zuletzt auch in Sachen zeitgenössischer Musik, taktierte die jugendlichen Ausführenden präzise animierend zum Publikumserfolg.

Danach Dmitri Schostakowitschs „Sechste“ h-Moll op. 54: Eine weitere Steigerung, die seinerzeit, ohne eröffnendes Allegro als „sonderbarer Rumpf ohne Kopf’“, auf Unverständnis stieß. Ursprünglich hatte ihr Schöpfer eine vokal-instrumentale Sinfonie zum Andenken an Lenin angekündigt. Im Largo, das den Flöten - ausgezeichnet genutzte - Gelegenheit zur Demonstration ihres Könnens bietet, zitierte Schostakowitsch plötzlich Mussorgskys „Altes Schloss“ aus den „Bildern einer Ausstellung“…

Als Reminiszenz an Mahler gestaltete Dennis Russel Davies die erste Hälfte unter Verzicht auf zusätzlich befrachtende Larmoyanz und schenkte eine stringent und differenziert ausgehorchte Wiedergabe.

Danach ging’s zügig rhythmisch geschärft ins virtuose Scherzo und, noch banaler kontrastierend und entsprechend triumphal umgesetzt, durch das burlesk parodierende Rondo-Finale. Kein „Probegalopp“ sondern eine mitreißende Kür.

 

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