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Durch die Zeiten

UNIVERSITÄT MOZARTEUM / KLANGREISEN

08/05/18 Nicht jedes Konzertprogramm muss dramaturgisch ausgetüftelt sein. Der Abend unter dem Motto „Barock Modern“ im Zyklus „Klangreisen“ der Universität Mozarteum am 7. Mai im Solitär bündelte Barockes, Romantisches und Modernes in vergnüglicher Folge, mit einem großen, berührenden Stück Kammermusik am Ende.

Von Paul Kornbeck

Im ersten Teil gab es eine liebenswürdige Spielmusik des in Berlin tätigen Johann Gottlieb Janitsch, eines der vielen Komponisten, die zwischen spätem Barock und früher Klassik anzusiedeln sind. Noch sind Generalbass und Blockflöte in ihrer Blüte, dazwischen blitzen Sturm und Drang hervor. Noch deutlicher wird dies in einer frühen Triosonate Carl Philipp Emanuel Bachs aus dessen Berliner Zeit, die mit überraschenden harmonischen Wendungen und expressiven Wendungen erfreut. Auch eines der „Pariser Quartette“ Georg Philipp Telemanns erzählt in feiner Melodik und klarer Rhythmik von sich ankündigendem Umbruch und ist doch noch fest in barocker Form gegründet. Meesun Hong Coleman (Violine), William Coleman (Bratsche), Dorothee Oberlinger (im famosen Wechsel von Sopran- und Bassblockflöte), Florian Birsak (Cembalo) und Marco Testori am Continuo-Cello brachten dies mit Gusto, Stilgefühl und Virtuosität zu Gehör.

Dazwischen spielte William Coleman auf der Viola die „Three Miniatures for Solo Violin“ von George Benjamin aus dem Jahr 2001. Auch dies ist Spielmusik im besten Sinne. Nicht allzu avantgardistisch, sondern alte Liedformen neu beleuchtend. Erstaunlich, wie gefühlvoll und bis in höchste Lagen klanglich betörend William Coleman das auf dem tieferen Instrument interpretiert.

Nach der Pause bewiesen Frau und Herr Coleman, dass sie nicht nur im barocken, sondern auch im romantischen Gestus beheimatet sind. Das 3. Klavierquartett op. 60 des Johannes Brahms ist Musik voller Leidenschaft, eigentlich ein erst später, um 1870 vollendetes Stück von 1855. Das jugendliche Begehren galt Clara Schumann. Fünfzehn Jahre danach war es zur Seelenfreundschaft geworden. Clemens Hagen mit wundersam leuchtenden Cellokantilenen und Pavel Gililov mit markanten Klavierläufen vereinigten sich mit den Colemans zu einem Ensemble, welches die Sehnsucht und Resignation, die Passion und Melancholie dieses Werks als tönendes Seelengemälde von zeitloser Kraft gestalteten. Großer Jubel nach beiden Konzerthälften.

Bilder: www.dorotheeoberlinger.de (1); www.kussquartet.com/MolinaVisuals (1)

 

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