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Ankunftssymphonie

STIFTUNG MOZARTEUM / LOCKENHAUS ON TOUR

03/03/17 Lockenhaus in Salzburg also – und ja: ein bisschen unkonventionell frische Werkstattatmosphäre transferierte Nicolas Altstaedt, Cellist und künstlerischer Leiter des feinen Festivals, tatsächlich in den Großen Saal des Mozarteums.

Von Christiane Keckeis

Mit ihm eine Handvoll exzellenter Künstler: Ilya Gringolts (Violine), Lily Francis(Viola), Knut Erik Sundquist (Kontrabass) und Alexander Lonquich (Klavier) bewiesen in einem auf dem Papier zusammengestückelt wirkenden Programm, wie stimmig und lebendig durchdacht musizierte Kammermusik verschiedenster Herkunft zusammen passen kann.

Die kleine Inszenierung am Rande macht schmunzeln: Alexander Lonquich beginnt mit Bela Bartoks Sonatina für Klavier Sz 55, erzählt saftig, beweglich, ausdrucksvoll Geschichten von Dudelsackpfeifern und Bärentänzen, ein Intro, fast nebenher und doch mit Spannung – und während er spielt, tröpfeln nach und nach die anderen Musiker dazu, wie sie zu einer Probe kommen mögen. Ilya Gringolts kommt mit der Geige und Knut Erik Sundquist richtet den Kontrabass auf – und aus dem letzten Ton des Klaviers wächst etwas Neues heraus, organisch fast, als ob es nicht anders gehörte.

Auf die Improvisation über volkstümliche Musik folgt ebenso nahtlos Sandor Veress „Memento“ für Viola und Kontrabass, die Stimmung wird schwerer, elegischer. Lily Francis spielt mit den Farben der Viola und schöpft aus deren Intensität bis zum Fade out mit der immer gleichen Phrase, an das das Klavier wieder anknüpft mit Dvoraks poetischem Stimmungsbild „Auf der alten Burg“. Zwischen Schwere, Düsternis und poetischer Verklärung gestaltet Lonquichs ein intensives romantisches Bild. In der „Waldesruhe“ Dvoraks finden sich Cello und Klavier zu einer innigen Verschmelzung. Ganz introvertiert beginnt Altstaedt, so ganz bei sich und gerade deshalb stark in der Wirkung.

Endlos scheint der letzte ruhige Ton nachzuwirken, das pianissimo schwingt quasi weiter in Jörg Widmanns „Vier Strophen vom Heimweh“ aus den 24 Duos für Violine und Violoncello. Dicht, in weichen Clustern verschwimmen Violine und Cello und lösen sich wieder. Widmanns „Toccatina alla inglese“ führt dann mit virtuoser Lebendigkeit wieder zurück in Realitäten.

Dass das alles ganz leicht, selbstverständlich klingt bei Gringolts und Altstaedt, sei nur am Rande erwähnt. Dem Meister am Kontrabass, Knut Erik Sundquist, der schon in den ersten Zusammenspielen mit Sensibilität und sehr wunderbar farbiger Tongebung faszinierte, blieb dann der Schluss des ersten Teils: „Failing – a very difficult piece“, der dramaturgisch geschickt aus den emotionalen Bildern und Stimmungen wieder humorvoll in die rationale Wahrnehmung zurückführt. Ein Stück hochvirtuoses Musikkabarett des Amerikaners Tom Johnson ist wie für den charismatischen Sundquist gemacht, Musik und gesprochener Text (eben über die Musik und ihre Schwierigkeiten) liegen nebeneinander, übereinander, Scherz und Ernsthaftigkeit kreuzen sich und entzücken, erheitern und erstaunen das Publikum (einziger Wehmutstropfen: die Verzerrungen durch das empfindliche Mikrophon). Und wir lernen: „Es ist nicht wichtig in der Kunst, ob man Fehler macht, wichtig ist, ob man was zu sagen hat.“

In Schuberts „Forellenquintett“ nach der Pause zeigen die fünf, die viel „zu sagen haben“, wie ein altbekanntes Werk ganz neu und frisch klingen kann, kein bisschen ausgelutscht oder brav. Grazil und durchaus auch elegant, filigran und dann wieder energisch gestalten sie, reagieren mit Leichtigkeit, sehr achtsam aufeinander, jede Phrase lebt, die Intonation sorgt immer wieder für ein glückseliges Sonnengeflecht. Vieles klingt anders als „gewohnt“, aber es überzeugt. In den Variationen über die „Forelle“ paaren sich konzentrierte Gestaltung und die Lust am Spiel. Lonquich strahlt vom Klavier als oft Führender, Gringolts lässt die Geige mal keck, mal elegant klingen mit herrlich bedachtem reduzierten Vibratoeinsatz, Altstaedt gestaltet wundervolle Linien, unmaniriert, selbstverständlich. Und Sundquist grinst fröhlich, während sein Bass ebenso kraftvoll wie fein zum Einsatz kommt. Herzerreichend. Das leider spärliche Publikum ist entzückt und wird für allfällige Bravi mit einer Wiederholung des Variationensatzes belohnt.

Bilder: www.impresariat-simmenauer.de/Marcus Borggreve (1); ilyagringolts.com/ (1); cadenza-concert.at (1)

 

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