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Mittendrin in der Schul-Musik

IM PORTRÄT / CHRISTA MUSGER

05/10/22 Nicht nur Mimen, auch Lehrern flicht die Nachwelt gemeinhin keine Kränze. Und solchen, die quasi in „beamteter“ Funktion tätig sind, schon gar nicht. Drum lässt uns die Nachricht vom Chorverband Salzburg aufhorchen, der Christa Musger zur Pensionierung alles Gute wünscht.

Von Reinhard Kriechbaum

Und: Der Chorverband bedankt sich bei der verdienten Pädagogin ausdrücklich für ihren „großartigen Einsatz“ als Fachinspektorin für Musik. In dieser Funktion sei sie „eine treibende Kraft“ gewesen, „wenn es um die Vermittlung von Musik zwischen Bildungswesen und externen Ansprechpartnern ging“. Projekte wie das Landesjugendsingen, die Initiative Das Singende Klassenzimmer und der Tag der Stimme seien nicht zuletzt wegen ihrem Engagement gut gediehen.

Nun ist Christa Musger, die über Jahrzehnte auch als Musiklehrerin im Gymnasium im Nonntal wirkte, also in den Ruhestand getreten. Das ist unerfreulich auch aus einem Grund, der in der Bildungsreform 2019 grundgelegt ist. Da wurde nämlich die Funktion Fachinspektor für Musik zum Auslaufmodell erklärt. Sie wird schrittweise abgeschafft, so wie eben die betreffenden Pädagoginnen und Pädagogen in Pension gehen. In Oberösterreich war es schon im Februar 2021 so weit. In Salzburg wird dieser Posten jetzt auch nicht mehr nachbesetzt. Es ist das zweite Bundesland ohne Musik-Fachinspektor.

Im Frühjahr vorigen Jahres haben österreichische Lehrkräfte eifrig Unterschriften gesammelt und dem damaligen Unterrichtsminiser Faßmann übergeben. Diese Listen sind geduldiges Papier geblieben. Die Unterschriftensammlung war eine Salzburger Initiative. Moritz Guttmann vom

Borromäum, Thomas Huber vom Musischen Gymnasium, Vera Pienz vom Christian Doppler Gymnasium und Elisabeth Wieland vom BORG Gastein sind damals aktiv geworden in Sachen Fachinspektor. Sie haben 5.383 Unterschriften zuwege gebracht.

Was läuft in den Augen der Musiklehrerinnen und -lehrer schief, wenn jetzt die Fachinspektoren für Musik, Sport und Bildnerischer Erziehung durch Schulqualitätsmanager*innen ersetzt werden? Es werde „an falscher Stelle gespart“, so die genannten Salzburger Musiklehrer. „Die Fachinspektorinnen und -inspektoren für Musik sind eine wertvolle Brücke zwischen schulischer und hochschulischer Bildung und verschiedensten Kulturinstitutionen.“ Bei ihnen handle es sich in der Regel um ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer im Fach Musik, sie seien also über alle Schularten hinweg „kompetente Ansprechpartner für fachliche Fragen jeder Art“. Sie betreuten Wettbewerbe und Veranstaltungen und seien zuständig für das Entwickeln von Formaten für Schulen mit Konzert- und Opernhäusern. Durch ihre Vernetzung setzen sie Impulse im gesamten

Bundesgebiet. „Vielleicht ist dieser Mehrwert nicht sofort erkennbar – für die Zukunft des Musiklandes Österreich stellt dies jedoch eine große Gefahr dar. Denn Musik ist nicht auf den Schulbereich einzugrenzen.“ Die „Systemsicherheit an Österreichs Schulen“ sei nicht mehr gegeben.

Im Anforderungsprofil der künftigen „Schulqualitätsmanager*innen“ fehle als zwingende Voraussetzung genau diese spezifische fachliche Kompetenz, die beispielsweise in unserem Bundesland Christa Musger mit viel Energie und persönlichem Engagement eingebracht hat. Übrigens haben die vorigjährige Petition an den Unterrichtsminister auch Vertreterinnen und Vertreter von 47 Institutionen – beispielsweise die damalige Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler unterschrieben. Auch von dieser Seite also wird den Fachinspektoren für Musik viel Gewicht eingeräumt.

Bild: Chorverband Salzburg
Zur Hintergrund-Geschichte
Fachinspektor kontra Schulqualitätsmanager

 

 

 

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