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Kämpfer für die Fotografie

TODESFALL / PETER WEIERMAIR

30/11/21 Ein eigenes Fotomuseum für Salzburg, das ist ein Dauerbrenner in der einschlägigen Standort-Diskussion. Davon träumte schon Peter Weiermair, um die Jahrtausendwende Direktor des damaligen Rupertinums. Der Kunsthistoriker, Herausgeber, Kurator und Museumsdirektor verstarb dieser Tage im Alter von 77 Jahren.

„Er hat Fotografie als Kunst und Kunst als Fotografie entscheidend mitbestimmt und international in ein neues Licht gerückt und junge Kunst national und international neu positioniert“, so die Wiener Galeristin Ursula Krinzinger, eine langjährige Weggefährtin, in einem Nachruf. Er sei „einer der speziellsten und obsessivsten und für die Kunstszene wichtigsten Verleger, Erneuerer, Kunstvermittler, Kurator und Sammler im Österreich der letzten Jahrzehnte“ gewesen.

Als ihn der Ruf nach Salzburg ereilte, die Nachfolge von Rupertinums-Gründer Otto Breicha anzutreten, war Peter Weiermair fast zwei Jahrzehnte Leiter des Frankfurter Kunstvereins (ab 1980) und Professor für zeitgenössische Kunst und Kunstvermittlung an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Weiermair hatte sich schon sehr früh mit der Fotografie als eigenständiger Kunstform beschäftigt. Da ja schon damals die Fotografie einer der Sammlungsschwerpunkte im Rupertinum (dem nachmaligen Museum der Moderne) war und schon damals jährlich der Österreichische Fotopreis vergeben wurde, war Weiermairs Bestellung nahe liegend. Er festigte den Ruf des Rupertinums als zentrale Stelle im Sammeln von künstlerischer Fotografie in Österreich. Ab 1998 im Amt, setzte Weiermair mit dem Blick auf eine ganz junge, international agierende Kunstszene neue Impulse.

Die veränderte politische Situation zur Jahrtausendwende veranlasst Weiermair aber bereits im Jahr 2000 ein attraktives Angebot aus dem Ausland anzunehmen. Mitte 2001 wurde er Direktor der Galleria d'Arte Moderna in Bologna, die er bis 2007 leitete. Für ein paar Monate, zwischen Jänner und Juli 2001, führte Weiermair gemeinsam mit seiner Nachfolgerin Agnes Husslein das Rupertinum. Die entscheidende Weichenstellung für's künftige Museum der Moderne: In seine Jahre als Museumsdirektor fiel der Neubau auf dem Mönchsberg.

Auch später gab es immer wieder Kontakte zu Salzburg. 2002 beispielsweise zeigte die Galerie im Traklhaus acht Positionen zeitgenössischer jüngerer österreichischer Zeichenkunst, die zuvor in Bologna von Peter Weiermair versammelt und zusammen mit einem Katalog präsentiert worden waren.

„Peter Weiermair war für die Durchsetzung der Fotografie als künstlerische Disziplin in Österreich prägend und in Salzburg spätestens seit der Präsentation seiner epochemachenden Ausstellung Photographie als Kunst 1879−1979, Kunst als Photographie 1949−1979, vom Salzburger Kunstverein 1980 veranstaltet, ein wesentlicher Anreger und späterer Mitstreiter für die Anliegen auch des Fotohofs“, heißt es in einem Nachruf auf der Fotohof-Website. Das Bild links zeigt Weiermair 2013 im Fotohof, er wird von Koos Breukel porträtiert.

Als ehemaliger Präsident der International Association of Curators of Contemporary Art verfügte Weiermair über gute Kontakte zu den renommierten Sammlungen in Europa. Nach seiner Zeit in Bologna (bis 2007) lebte Peter Weiermair wieder in Innsbruck und arbeitet als freier Kurator vornehmlich in Österreich. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zur Körperfotografie des 19. und 20. Jahrhunderts. Es ging da oft um ein Aufbrechen von Tabus und um die Frage nach Geschlechterrollen. (Galerie Krinzinger/dpk-krie)

Bilder: BKA / Andy Wenzel (1); Fotohof / Michael Mauracher (1)

 

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