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Ehrenbürgerin der Stadt

EHRUNG / HELGA RABL-STADLER

30/07/18 Noch deutlich unterrepräsentierter als bei den Straßennamen sind Frauen auf der Liste der Ehrenbürger der Stadt Salzburg. Seit heute trägt Helga Rabl-Stadler, seit 23 Jahren Präsidentin der Salzburger Festspiele, diesen Titel. Sie ist erst die dritte Frau, die sich über diese Ehre freuen darf – nach der Sängerin Lilli Lehmann und der Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg.

Von Reinhard Kriechbaum

Es ist beinahe eine Ironie des Zufalls, dass genau heute Montag (30.7.), an dem der Festakt stattfand, die Todesmeldung von Herbert Moritz publik wird. Moritz war Unterrichtsminister und Mitglied des Festspielkuratoriums. Im Vorfeld der Ernennung von Helga Rabl-Stadler legte er seine Funktion dort zurück.

Wie sehr Helga Rabl-Stadler, die vor zwei Monaten ihren 70. Geburtstag feierte, diese Funktion aufwerten würde, war zu dem Zeitpunkt nicht absehbar. Festspielpräsident – das war bis dahin weitgehend ein Ehrenamt, und zu Zeiten Karajans war es noch durchaus möglich, dass ein solcher (Albert Moser) ausgerechnet in den Sommerwochen auf Kur ging.

Helga Rabl-Stadler hat rasch die Optionen dieses Amtes und vor allem die Notwendigkeiten der Zeit erkannt: Ihre Fähigkeit, mit Empathie auf Menschen zuzugehen, nutzte die studierte Juristin, die dann im Journalismus und in der Politik tätig war, um Kontakte mit Mäzenen und Sponsoren sonder Zahl zu knüpfen.

Als Vertreterin der Festspiele nach außen – als „Außenministerin der Festspiele“ wird die auf deren Homepage bezeichnet – gelang ihr der Aufbau eines Netzwerkes mit derzeit vier Hauptsponsoren, Nestlé, Audi, Siemens und Rolex, sowie zahlreichen Projektsponsoren (aktuell Roche, Hantang Culture Development, Swarovski, Bank of America Merrill Lynch und Uniqa). „Der Höhepunkt ihrer Sponsoringerfolge war die Finanzierung des Hauses für Mozart. Von den Gesamtkosten von über 36 Millionen Euro haben die Festspiele für einen Kulturbetrieb unvorstellbare 40 Prozent selbst aufgebracht“, heißt es auf der Website der Festspiele.

Helga Rabl-Stadler, Tochter des langjährigen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher, war von 1983 bis 1990 Nationalratsabgeordnete für die ÖVP. Ab 1985 war sie, damals noch Miteigentümerin des Modehauses Resmann, Vizepräsidentin der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Salzburg, ab 1988 deren Präsidentin. Von 1991 bis 1995 war sie Bundesobmann-Stellvertreterin der ÖVP.

Mit Antritt des Amtes der Festspielpräsidentin legte sie alle politischen Funktionen zurück, war aber noch von der Bundesregierung entsandte Stiftungsrätin des Österreichischen Rundfunks (bis 2010).

Helga Rabl-Stadler war ruhender Pol in bsiher 23 Jahren bewegter Festspielgeschichte: Während ihrer Präsidentschaft wirkten als Intendanten bis 2001 Gerard Mortier, ab 2002 Peter Ruzicka, ab 2007 Jürgen Flimm, im Jahr 2011 interimistisch Markus Hinterhäuser und von 2012 bis 2014 Alexander Pereira. Für die Jahre 2015 und 2016 wurde interimistisch Sven-Eric Bechtolf bestellt, für die Periode 2017 bis 2021 Markus Hinterhäuser.

Rabl-Stadler ist Trägerin des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Salzburg, der Silbernen Rose der Wiener Philharmoniker und manch anderer Platine aus edlem Metall. Vielleicht sollte ihr Name doch auch bald auch noch den Frauenanteil an den Salzburger Straßennamen erhöhen. Ihr gegenwärtiger Vertrag läuft bis Ende September 2020, und Helga Rabl-Stadler hat erst jüngst in einem Interview betont, dass sie ihn nicht verlängern werde. Das wäre eine gute Gelegenheit dazu. Ein viel befahrener Kreisverkehr würde sich anbieten, als Symbol für die Betriebsamkeit, die Energie, vor allem auch für die Fähigkeit des Verbindens in alle Richtungen. Das sind die Stärken von Helga Rabl-Stadler, die sie bald ein Vierteljahrhundert in den Dienst der Festspiele stellt.

Bilder: dpk-klaba/krie

 

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