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Feschspiele

GLOSSE

Von Werner Thuswaldner

04/05/17 Hören Sie einmal etwas genauer hin. Die Einheimischen sagen in ihrer Mehrzahl nicht „Festspiele“, sondern „Feschspiele“. Auf dem Gemüsemarkt, in der Hofstallgasse, in diversen Lokalen, überall, wo Einheimische vorkommen, wird „Feschspiele“ gesagt.

Sogar vom Rednerpult in der Felsenreitschule aus, während des Eröffnungsakts, wurde „Feschspiele“ gesagt. Verwirrend. Könnte es sein, dass zwei völlig verschiedene Denkweisen seit langem nebenher existieren? Parallelwelten, die kaum was miteinander zu tun haben?

Während die einen glauben, bei Festspielen durch kulturelle Ereignisse, auf deren Vorbereitung und Ausführung viel Mühe verwendet wird, ihr Innerstes in Schwingungen besonderer Art versetzen zu können, erleben die anderen „Feschspiele“, denken in Kategorien des Kommerzes, vor allem an den Besuch von Modegeschäften und Coiffeurläden. Sie fühlen sich aufgerufen, an der Selbstdarstellung der Gesellschaft mitzuwirken und nehmen die kulturellen Begleiterscheinungen, Opern, Konzerte etc., billigend in Kauf.

Vielleicht sollte einmal erforscht werden, was es mit dem Wort „Feschspiele“ auf sich hat. Es wird ja jährlich auch die „Umwegrentabilität“ erforscht. Wobei längst herausgekommen ist, dass die Rentabilität entgegen allen Befürchtungen ganz und gar keinen Umweg um Salzburg macht.

 

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